Unterwegs als Norne – Teil 1

Nein, nicht Nonne. Auch nicht Dorne oder Horn.

Norne.

Schon mal was davon gehört?

Literarisch tauchen die Nornen in der Edda auf. Das ist eine der ältesten Darstellungen der nordischen Mythologie. Und so wie auch die griechische, die römische, die ägyptische, … Mythologie versucht sie auf ihre Art Antworten auf die brisanten Fragen der Menschheit zu geben: Die Entstehung von allem, Naturereignisse, Götterwelt, Menschenwelt, Krisen und Intrigen, auch das Ende der Welt.

Man kann davon halten, was man will. Für mich ist es kein Lehrwerk über Glauben und Leben, sondern vielmehr eine Reise zu den Lebensfragen und Anschauungen in einer Zeit vor der modernen Wissenschaft, und damit eine Reise zurück zu einer intuitiv beobachtenden und einschließenden Wahrnehmung des Lebens. Alles ist wertvoll. Alles hat seinen Platz und seine Bedeutung.

Aber ich schweife ab.

Mich beeindrucken in der nordischen Mythologie ganz besonders die Nornen. Drei weibliche Wesen, die für alles und jeden die Schicksalsfäden weben.

Schauen wir uns die Nornen ein wenig genauer an: Jede hat einen Schicksalsfaden, den sie mit denen der beiden anderen verwebt. Ihre Namen sind Urd, Verdandi und Skuld. Gemäß den näher an den skandinavischen Sprachen liegenden Übersetzungen bedeutet Urd Das-was-war, Verdandi heißt Das-was-(geworden)-ist und Skuld ist Das-was-werden-soll.

So Genial! Siehst Du das auch? Die reinste Logik!

Das Schicksal – also das, was das Leben bereit hält – ist entsprechend aus drei Bestandteilen zusammengewebt:

Das-was-war: Ereignisse und Einflüsse aus der (Familien-)Vergangenheit, Prägungen durch die Eltern, einschneidende Kindheits-Erfahrungen, …

Das-was-(geworden)-ist: die aktuelle (finanzielle, soziale, …) Situation, das Lebensumfeld, die eigene Einstellung zu Leben und Welt, …

Das-was-werden-soll: die eigenen Erwartungen, Wünsche, Ziele, Sehnsüchte, … an das Leben, aber auch die Erwartungen anderer an mich und an die Welt.

Für alle Schreiberlinge geht spätestens hier eine ganze Batterie Scheinwerfer an: Wenn wir das Schicksal unserer Romanfiguren nicht aus allen drei Fäden weben, bleiben sie für Leser einseitig und halb, nicht vollständig nachvollziehbar und unlogisch. Und wir müssen gut weben, wie die Nornen, sonst bleibt alles zu offensichtlich und spannungslos. Und Überraschungen dürfen auch nicht vergessen werden, die die scheinbar aus heiterem Himmel kommen und den Laden einmal ordentlich aufmischen …

In diesem Sinne bin ich als Autorin unterwegs als Norne.

Und ich habe ziemlich viel Freude daran, im Weben der Schicksalsfäden erst meine Romanfiguren selbst kennenzulernen und dann Dich mit ihnen auf die Reise zu schicken, hin und wieder mit einem kleinen Abstecher in Dein Leben hinein. Und wer weiß, vielleicht entdeckst Du ja die Perlen und Steinchen, die ich mitverflochten habe. Wäre ja noch schöner, wenn nicht auch zwischendurch ein paar unerwartete Stolpersteine oder Schätze das Kunstwerk bereichern dürften.

Wir lesen uns.

P.S.: Und das ist noch nicht alles. Bleib gespannt 🙂

Ein Kommentar zu „Unterwegs als Norne – Teil 1

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