Lieblingsbuch: „Sturm im Paradies“

Warum sind Menschen eigentlich, wie sie sind? Warum tun sie, was sie tun? Wer oder was treibt uns an in unserem Handeln und Sein? Und was macht das mit uns, wenn ein schier unfassbares Ereignis alles über den Haufen wirft?

Das sind große Fragen. Viel zu große vielleicht. Und doch sind es die Fragen, die in Elisabeth Büchles „Sturm im Paradies“ von Anfang an den Ton angeben. Sie macht den Leser mit Personen bekannt, die mit ihren eigenen Prägungen, Ängsten, Erfahrungen und Lebensfragen ringen. Die, jeder auf seine Weise, eine Art Frieden mit den Herausforderungen schließen oder eben einen Weg drumherum finden. Menschen, die man versteht, liebgewinnt und neugierig auf ihrem Weg durch die Spannungen in sich selbst und miteinander begleitet.

Die zwei Hauptpersonen Rebecca und Lukas, zum Beispiel, tun sich etwas schwer, einen Weg zueinander zu finden. Die Gründe sind vielfältig. Erst die gemeinsame Zeit in Thailand scheint daran etwas zu ändern. Und es ist so schön, das lesend „miterleben“ zu dürfen.

Die erste Hälfte des Buches wirkt bis auf die „normalen“ Spannungen und Herausforderungen des Alltags geradezu traumhaft, paradiesisch. Die Leser lernen Rebeccas Familie und Kollegen wie auch Lukas‘ Freundeskreis kennen, dazu den wunderschönen Schwarzwald und die traumhaften Strände Thailands, auch Thailänder und andere Touristen vor Ort. Vieles und Viele zum einfach Gernhaben und Mitfiebern.

Doch zwischen den Zeilen lauert spätestens seit Rebeccas Ankunft im Urlaubsort die Brutalität der kommenden Katastrophe. Ein Wissen, das die Lesenden den Figuren im Buch voraushaben. Ein Bangen um die liebgewordenen Personen.

Auf eine fast mitfühlende Art webt die Autorin die Schöpfung, konkret die sich bewegenden Erdplatten und später die Wassermassen, als eigene „Person“ ein, während die Ohnmacht der Mitarbeiter in den seismographischen Messstationen rund um den Globus eher nüchtern dargestellt wird. Das Chaos selbst erlebt der Leser durch die Wahrnehmungen und Beobachtungen der Hauptpersonen. Das Unfassbare wird ungeschönt aber ohne unnötige Ausschmückungen klar vor Augen gemalt. Als Lesende bin ich mittendrin, spüre die Ohnmacht, die Hilflosigkeit der Einzelnen. Es ist Elisabeth Büchle gelungen, die Dramatik der Katastrophe zu skizzieren, ohne diese der Romanze zwischen Rebecca und Lukas zu opfern. Jeder der beiden erlebt das Geschehene aus seiner eigenen Perspektive und hofft entgegen aller Vernunft auf ein Wiedersehen.

Und mittendrin die Fragen aller Fragen: Warum? Was ist der Sinn? Und wo war Gott? Direkt ausgesprochen von Überlebenden, gedacht von den Hauptpersonen. Beantwortet? Vielleicht …

Dieses Buch ist meiner Meinung nach eins der ganz Großen der Autorin. Es greift Problematisches auf, ohne vorschnelle und vermeintlich allgemeingültige Antworten vorzulegen. Es stellt Menschen vor mit denen ihnen eigenen Prägungen und Begrenzungen, ohne zu verurteilen. Es versucht Verständnis zu wecken für das Andere, das Fremde, das Verletzte. Und zwischendrin die Hoffung einer ganz besonderen Beziehung.

Für mich war es wieder ein Buch mit tagelangem Book-Hangover (was mir tatsächlich nicht bei vielen Büchern passiert, doch aber immer wieder bei Geschichten aus der Feder von Elisabeth Büchle).

Lies unbedingt rein! Absolut empfehlenswert.

Sturm im Paradies, Elisabeth Büchle

Titel: Sturm im Paradies

Autorin: Elisabeth Büchle

Genre: zeitgenössischer Roman, Romance, christliche Belletristik

Verlag/ Erscheinungsjahr: GerthMedien/ 2016

Klappentext: Die 26-jährige Sanitäterin Rebecca gehört zu einem Team der Luftrettung, das dem reichen Amerikaner Marty auf einer Bergstraße im Schwarzwald das Leben rettet. Zum Dank lädt der Millionär das ganze Team zu seiner Hochzeit in Khao Lak in Thailand ein. Nach einigem Zögern reist Rebecca zwei Wochen vor der Hochzeit nach Thailand. Lukas, ein Freund von Marty, ist ebenfalls schon dort. Eine zarte Romanze beginnt sich zwischen Lukas und Rebecca zu entwickeln. Doch eines Tages bricht ein Sturm über das Paradies herein: Während die fröhlichen Urlauber den Sonnentag am Strand genießen, baut sich draußen auf dem Meer nach einem Seebeben eine riesige Welle auf und nimmt Kurs auf die Küste …


* Die in meiner Rubrik „Lieblingsbücher“ aufgeführten Lieblingsbücher sind eben genau das: Bücher in meinem eigenen (digitalen oder realen) Bücherregal, die mich beeindruckt, fasziniert, bewegt, …. haben. Und das möchte ich mit Dir teilen.

Schau gern in meiner Übersicht, welche Titel ich schon vorgestellt habe.

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