Bilder

Es gelingt mir ab und zu, mit Pinsel und Leinwand meinem turbulenten Alltag etwas zu entfliehen, mich zumindest ein wenig auszuklinken. Wobei auch das nur die halbe Wahrheit ist. Denn sobald ich die Farben aus der Kiste hole, finden sich doch immer ganz schnell zwei oder drei Kinder, die auch ganz eifrig ihre Kunstwerke kreieren – Farb- und Wasser-Unfälle inklusive. Aber es tut so gut. An der Galerie ist gut zu sehen, dass ich den Weg in die farbkreative Oase nicht so oft schaffe. Gleichzeitig ist diese Galerie für mich ein Rückblick. Sie erinnert mich an schönes und schweres, an Fragen und Herausforderungen.

Bruchstücke, 2020
(Acryl auf Leinwand, 30cmx24cm)

Zuerst nur Gekritzel auf einem Notitzzettel. Ein Kreis in der Ecke ganz unten links. Stück für Stück wurde es zum Viertel eines Auges. Ein Bruchstück. Kann man so sehen. Oder anders. Wenn ich die Welt mit meinen Augen sehe, kann ich mir einbilden, das wäre die ganze Wahrheit. Weil ich es weiß. Alles. Und richtig einschätzen kann. Immer. Oder!? Vielleicht ist meine Wahrnehmung aber gefärbt von all dem, was ich erlebt habe. Vielleicht siehst du alles ja ganz anders. Und möglicherweise gibt es noch so viel, was du und ich nicht ansatzweise verstehen, weil wir die Realität des Nachbarn, der Händlerin von gegenüber, der zugezogenen Familie hinten in der Straße, … nicht kennen. Es ist recht vermessen, zu denken, wir würden mehr als nur Bruchstücke der Welt und unserer Mitmenschen sehen. Lass uns also mit offenen Augen und Ohren – und vor allen Dingen mit offenem Herzen – unterwegs sein und andere Bruchstücke entdecken. Weil es verbindet.

„KopfNebel“, 2018
Ankommen – Atmen – Auftanken, 2018
Hoffnung, 2018
Diversität, 2014
Lieblings-Licht, 2013

Inspiriert durch meinen Taufvers: „Ich habe dich je und je geliebt …“ Für mich ein gewaltiger Trost. Immer dann, wenn die Welt um mich herum dunkler wird … weil Umstände erschrecken, Menschen enttäuschen und ich selbst auch nicht immer mein bestes Ich bin. Ich muss es nicht unbedingt verstehen. Und doch bringt es Licht in die Dunkelheit, wenn meine Aufmerksamkeit auf die Geschenke des Alltags gelenkt wird: Eine Blüte vorm Fenster, eine spontane Umarmung oder ein Anruf. Vielleicht ein unerwarteter Sonnenstrahl zwischen den Regenwolken. Manchmal auch eine Erinnerung. Oder der Anblick meiner friedlich spielenden Kinder mitten in den Turbulenzen der eigenen Anspannung … Ist es unverschämt, das alles als ein persönliches „Hier bitteschön, das ist für Dich“ zu verstehen? Als eine Liebeserklärung der besonderen Art? Das Bild entstand an einem Ort, der für mich zu einem der dunkelsten überhaupt wurde. Im Sturm hat mich der Blick und die Hoffnung auf das Licht durchgetragen. Und viele Lichtgeschenke später durfte es wieder richtig hell werden.

Licht-Trägerinnen, 2012