EbenBilder

Von der richtigen Perspektive

Du bist oft bei mir.
Du magst mich nicht.
Es liegt nicht an mir.
Ich bin so gemacht.
Ich würde gerne.
Wirklich.
Aber dann müsste ich meinen Job hinschmeißen.

Immer wieder stehst du vor mir.
Begutachtest mich.
Kommst ganz nahe ran.
Siehst jede kleine Falte.
Jeden Schatten.
Jede Irritation.
Von den einzelnen grauen Haaren ganz zu schweigen.

Bist unzufrieden.
Mit Dir.
Mit mir wegen meiner Flecken.
Mit Deinen Kindern wegen der Flecken.
Mit der ganzen Welt.
Kein guter Start.

Mich macht es traurig.
Jedes mal neu.

Dann letzte Nacht.
Dein Mann.
Nicht ungewöhnlich.
Sieht mich an.
Zufriedenes Grinsen.
Wird nachdenklich.
Lacht leise.

Nimmt die Tube dem blauen Zeug von Euren Kindern.

Du weißt schon.
Was in den Mund gehört.
Was dann immer überall landet.
Nicht selten auf mir.
Oft genug absichtlich.

Er zielt.
Ich bekomme zwei dicke Kleckse.
Schock!
Die Kinder bringen Dich ja schon auf Hundertachtzig.

Es geht weiter.
Das rote Zeug ist dran.
Das für Deinen Mund.
Unter das doppelte Blau ein langer nach oben offenen Bogen.
Hallo!?

Ganz oben noch mehr Schmierereien.
Ein aufrechter Strich.
Daneben zwei kopfstehende aneinander klebende Tropfen.
Dahinter ein schmaler oben offener Bogen.

Ich bin unruhig.
Hoffentlich ist Ausschlaf-Tag.
Das macht Dich weniger pingelig.

Es ist soweit.
Deine Schritte.
Unverkennbar.

Tür.
Licht an.
Du siehst mich.
Kommst ran.
Nah.

Lächelst.
Du lächelst.
Lächelst mich an.
Du lächelst Dich an.
Du bist einzigartig.
Verstehst Du?
Immer!