LichtJahre

– Wie das Leben Entfernungen verändert –

Alles ist relativ.

Entfernungen sind exakt messbar. Fast. Trotzdem kann die selbe Entfernung unterschiedlich lang sein.

Das beste Beispiel sind Du und ich.

Wir wohnen in der selben Straße. Schon immer. “Our House in the middle of our street …” Das bin ich. Du ganz am Anfang. Und wir kennen uns von Anfang an. Zwei Monate, elf Tage, drei Stunden und vierzehn Minuten. Nicht so weit entfernt. Gewissermaßen. Du hast die Älter-Zeit immer so gefeiert. Bis es wieder gleich war.

Hast du den Himmel gesehen gestern Nacht? Warst Du auch draußen? So weit weg.

Ich hab mich an damals erinnert. Sommernächte voller Sternschnuppen, Träume, Gedanken über Gott und die Welt. Winternächte auf dem Schlittenhügel mit Tee und dem Blick in die unendlichen Weiten.

Da kam der Gedanke.
Licht-Jahre.

Vor unserer Einschulung waren es vielleicht zwei Minuten. Höchstens. Irgendwann haben wir angefangen die Zeit zu stoppen. Du hast es als Erster auf eine halbe Minute geschafft. Später wurde es wieder länger. Stunden, Tage, Monate. Mal mehr, mal weniger. Zuletzt drei Jahre.

Und plötzlich ist es Null. Zugegeben, nicht zu Hause. Aber das holen wir nach. Vielleicht nicht mehr so schnell wie früher. Ich schätze so fünf Minuten. Wir müssten die Zeit wohl mal wieder stoppen. Lustige Vorstellung. In unserem Alter.

Jetzt steht sie erstmal still.

Nach dem Fahrradunfall von Deinem Jüngsten. Gehirnerschütterung und zwei Rippenbrüche. So kurz vor seinem Abi. Er schafft das, sagen sie.

Nach dem Trubel um meinen ersten Enkel. Neues Leben. Seit heute.

Die anderen sind wieder zu Hause.
Aber jemand muss ja in der Nähe der Kinder sein, oder?
Falls sie was brauchen, oder?

Sie werden wohl nicht brauchen.
Wir brauchen.
Du und ich.
Nach all den Jahren.

Licht-Jahre.